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Erste geneditierte Menschen geboren

Ende November überraschte der chinesische Forscher He Jiankui per Youtube Video die Welt mit der Nachricht, dass zum ersten Mal zwei Kinder geboren worden seien, deren Erbgut mit Hilfe des CRISPR/Cas9 Verfahrens (auch „Genschere“ genannt) verändert worden sei. Der Vorgang als solcher konnte bisher noch nicht geprüft werden, es spricht aber einiges für die Richtigkeit dieser Nachricht..

Zum Hintergrund

Der chinesische Forscher hatte mehreren Frauen, deren Partner HIV-positiv waren, Embryonen eingepflanzt und das Erbgut so verändert, dass die sich entwickelnden Kinder resistent gegen eine zukünftige HIV-Infektion sein sollen.

Veränderungen am Erbgut hat es früher schon zu kurativen Zwecken gegeben. Im Februar 2016 wurde am Londoner Francis-Crick-Institut erstmals DNA in einem so frühen Stadium der Embryonalentwicklung verändert, dass diese Veränderungen auch die Keimzellen betreffen und somit vererbbar sein würden. Die dazu verwendeten und nach den Versuchen verworfenen Embryonen sind sogenannte „überzählige Embryonen“, die nicht mehr einer Mutter eingepflanzt werden und dann zur Verwendung in der Forschung freigegeben wurden. Die Gesetzgebung in England lässt diese Forschung zu, die Embryonen müssen jedoch nach 14 Tagen vernichtet werden.

Wir sehen einen neuen Tabubruch, denn dieses Mal wurden die veränderten Embryonen weiter entwickelt und einer Mutter eingepflanzt. Ab heute existieren somit Menschen, genauer gesagt Zwillingsmädchen, die ihre durch menschliche Manipulation veränderte DNA an alle weiteren Generationen weitergeben können.

Reaktionen auf den Tabubruch

Der geschäftsführende Direktor des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin in Münster, Hans R. Schöler, weist darauf hin, dass angesichts der weitreichenden Konsequenzen von veränderten vererbbaren Genen eine grundlegende gesellschaftliche Debatte fehle. Zudem sei überhaupt noch nicht abzuschätzen, ob und welche Spätfolgen dieses Vorgehen mit sich bringe.

Das Verhalten des chinesischen Forschers hat zu einem weltweiten Aufschrei geführt, selbst in seinem Heimatland haben 122 Forscher umgehend mit einem offenen Brief geantwortet, in dem sie sein Vorgehen scharf verurteilen. Doch diese und weiteren Reaktionen überzeugen nicht wirklich, denn sie richten sich nicht gegen das Verfahren an sich, sondern nur gegen den Zeitpunkt dieser Versuche. Diese kämen viel zu früh, da die Spätfolgen solcher Eingriffe überhaupt nicht abgeschätzt werden können. Wenn diese Fragen geklärt seien, so könnten auch die Veränderungen am menschlichen Erbgut vorgenommen werden, so lautet ein breiter gesellschaftlicher Konsens.

Vom ersten Moment an unverfügbar

Das sehen wir grundsätzlich anders, denn gegen eine solche Haltung ist aus unserer Sicht generell Einspruch zu erheben. Versuche an Embryonen sowie die Veränderung des menschlichen Erbguts, auch wenn es mit der ehrenwerten Absicht geschieht, schwere Krankheiten heilen zu wollen, stellen einen unzulässigen Eingriff dar. Prof. Paul Cullen, Vorsitzender des Vereins „Ärzte für das Leben“ bringt es gut auf den Punkt: „Entweder ist der Mensch vom ersten Moment an prinzipiell unverfügbar, oder er ist ein Spielball solcher Optimierungsversuche, entweder durch Selektion oder durch Genschere. Alles andere ist inkonsequent und mit der Würde nicht vereinbar.“

Deshalb muss unbedingt an dem Verbot verbrauchender Embryonenforschung festgehalten und darauf hingewirkt werden, Eingriffe am menschlichen Erbgut zu verhindern.


Michael Schröder