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Nationale Akademie der Wissenschaft Leopoldina fordert Möglichkeit der Embryonenforschung

30.3.2017, Halle

In dem von Mitgliedern der Leopoldina herausgegebenen Diskussionspapier zur ethischen und rechtlichen Beurteilung des Genome Editing in der Forschung an humanen Zellen fordern sie, dass es auch in Deutschland erlaubt sein sollte, Embryonen für Forschungszwecke verwenden zu dürfen. Es bestehe ein vernünftiger rechtspolitischer Kompromiss darin nur „verwaiste“ Embryonen dafür zu verwenden.

Damit sind Embryonen gemeint, die zur Fortpflanzung erzeugt wurden, nun aber nicht verwendet werden, weil sie als nicht entwicklungsfähig gelten oder die Familienplanung abgeschlossen ist. Die genetischen Eltern können verfügen, ob diese überzähligen Embryonen für eine nächste Behandlung verwendet oder auf unbestimmte Zeit kryokonserviert werden, ob sie getötet oder zur Embryonenspende freigegeben werden (aus Infomail „Embryonenspende").

Es wird weiter argumentiert, dass das Embryonenschutzgesetz keine Embryonen schütze, die nicht (mehr) entwicklungsfähig seien und es umstritten sei, welches Entwicklungspotential vorhanden sein müsse, damit ein Embryo in den Schutzbereich des Embryonenschutzgesetzes falle. Solche als nichtentwicklungsfähig geltenden Embryonen sollen laut Leopoldina mit Zustimmung der genetischen Eltern zu Forschungszwecken freigegeben werden und zu wissenschaftlich begründeten, hochrangigen Forschungszielen verwendet werden können.

Die Argumentation der Leopoldina scheint schlüssig, gut durchdacht, wissenschaftlich begründet und dem allgemeinen Wohl dienend. Dennoch ist sie unethisch, denn sie wägt Leben gegen Leben ab, bewertet Leben als lebenswerter und lebensunwerter, indem sie menschliches Leben für wissenschaftliche Erkenntnisse einsetzen will.

MdB Hubert Hüpe schreibt dazu: „Auch in bioethischen Debatten der Vergangenheit wurden immer wieder mit großem Pathos teilweise phantastische Heilungsphantasien präsentiert, die später wie Seifenblasen zerplatzten. Zugunsten embryonaler Stammzellen etwa wurde eine „Ethik des Heilens“ in Feld geführt, die den Staat zur Legalisierung von Embryonenverbrauch ethisch verpflichte. Seit Jahren aber ist es völlig ruhig um embryonale Stammzellen geworden, mit ihnen geheilte Patienten sind bisher nicht in Erscheinung getreten.“

Mit der Aufweichung des Embryonenschutzgesetzes im Sinne der Leopoldina würde das Tötungstabu gebrochen.

Als Beratungsorganisation politischer Gremien wird die Leopoldina ihre Forderung gezielt anbringen können. Deshalb sollte die öffentliche Diskussion aufmerksam beobachtet und begleitet werden.

Dr. Detlev Katzwinkel und Dr. Heike Fischer